Kunst als Resonanzraum für Citypastoral

Unter dem Motto „Kunst und Kirche“ trafen sich Ende März 2026 Vertreterinnen und Vertreter der Citypastoral aus ganz Österreich in Linz zum bundesweiten Netzwerktreffen. Im Zentrum stand die Frage, welche Impulse aus den Schnittmengen von Kunst, Kirche und Stadtgesellschaft für eine zeitgemäße citypastorale Praxis entstehen.
Austausch und Kunstführung in der Ursulinenkirche
Der erste Tag des Treffens war dem Austausch aus der Praxis gewidmet. In kurzen Berichten stellten die Teilnehmenden ihre jeweiligen citypastoralen Orte vor und diskutierten aktuelle Herausforderungen urbaner Pastoral. Deutlich wurde dabei die Vielfalt der Formen kirchlicher Präsenz in Städten – ebenso wie gemeinsame Fragestellungen rund um Sichtbarkeit, Dialogfähigkeit und gesellschaftliche Relevanz.
Anschließend stand Kunst im Kirchenraum im Mittelpunkt. In der Ursulinenkirche führte Martina Gelsinger vom Fachbereich Kunst und Kultur der Diözese Linz durch „Memento Mori – Kunst in der Fastenzeit“. In ihrem Erfahrungsbericht zeigte sie, wie zeitgenössische Kunst Kirchenräume zu Orten des Dialogs und der Begegnung werden lässt. Ihre langjährige kuratorische Arbeit mit Künstler:innen sowie die Begleitung von Umgestaltungen und Gedenkorten verdeutlichten, wie Kunst existenzielle Fragen aufgreift und neue Zugänge zu Transzendenz eröffnet.
Gespräch zu Kunst, Kirche und Stadtgesellschaft
Der zweite Tag begann mit einem Morgenlob in der Ursulinenkirche. Anschließend fand im Bischofshof der Diözese Linz ein Gespräch zu Kunst, Kirche und Stadtgesellschaft statt. Unter der Moderation von Hubert Nitsch (Kunstpastoral der Diözese Linz) diskutierten Johann Hintermeier (Bischofsvikar für Bildung, Kunst und Kultur) und Norbert Trawöger (künstlerischer Leiter des Brucknerhauses Linz) über Kunst als verbindendes Element in einer pluralen Gesellschaft.
Im Gespräch wurde deutlich, dass Kunst und Kultur stets menschenbezogen sind und somit einen zentralen Anknüpfungspunkt für die Citypastoral darstellen.
Als wesentliche Haltungen wurden Offenheit, Dialog, ehrliches Interesse am anderen – selbst bei Ablehnung – sowie die Bereitschaft, kirchliche Komfortzonen zu verlassen, beschrieben. Dazu braucht es eine gefestigte eigene Identität. Bischofsvikar Hintermeier meinte: „Je stärker die eigene Identität, desto weiter kann ich mich hinauslehnen und offen sein, wie ein Stehaufmännchen. Ich muss mir meinen Glauben immer neu erschließen. So kann man den anderen Hören- und Sehenhelfen.“ Sich korrigieren zu lassen und in einer Du-Beziehung zu stehen, kann jedoch die Qualität erhöhen. Hintermeier betonte außerdem den inkarnatorischen Aspekt: „Nicht nur Gesellschaft, sondern Leib Christi sein.“
Auch die Widerstände, die innerhalb des Systems oft am größten sind, wurden thematisiert. Trawöger sagte dazu: „Es gibt nichts Faderes, als immer Recht zu bekommen.“ Ein weiterer interessanter Gedanke von ihm: „Sowohl in der klassischen Kunst als auch in der Kirche kann immer weniger Wissen vorausgesetzt werden. Wie bei einer Matinee, bei der der Hintergrund erklärt wird, könnte man das auch bei der Liturgie machen.“
Das Netzwerktreffen in Linz machte deutlich, dass Kunst für die Citypastoral Resonanzräume für Sinnfragen, Transzendenz und gesellschaftlichen Dialog eröffnet und die Präsenz der Kirche im urbanen Leben stärkt.
Nach dem Netzwerktreffen besuchten einige den neuen Standort URBI@ORBI in der Linzer Stadtpfarre sowie den Mariendom inklusive des architektonisch interessanten Domcenters mit Shop und Café.
Robert Hautz