BERICHT: Netzwerktreffen Citypastoral Österreich in Linz

Unter dem Motto „Kunst und Kirche“ trafen sich Ende März Vertreterinnen und Vertreter der Citypastoral aus ganz Österreich in Linz zum bundesweiten Netzwerktreffen. Im Zentrum stand die Frage, welche Impulse aus den Schnittmengen von Kunst, Kirche und Stadtgesellschaft für eine zeitgemäße citypastorale Praxis entstehen.
Der erste Tag des Treffens war dem Austausch aus der Praxis gewidmet. In kurzen Berichten stellten die Teilnehmenden ihre jeweiligen citypastoralen Orte vor und diskutierten aktuelle Herausforderungen urbaner Pastoral. Deutlich wurde dabei die Vielfalt der Formen kirchlicher Präsenz in Städten – ebenso wie gemeinsame Fragestellungen rund um Sichtbarkeit, Dialogfähigkeit und gesellschaftliche Relevanz.
Anschließend stand Kunst im Kirchenraum im Mittelpunkt. In der Ursulinenkirche gab Martina Gelsinger vom Fachbereich Kunst und Kultur der Diözese Linz eine Führung durch „Memento Mori – Kunst in der Fastenzeit“. In ihrem Erfahrungsbericht zeigte sie, wie zeitgenössische Kunst Kirchenräume zu Orten des Dialogs und der Begegnung werden lässt. Die langjährige kuratorische Arbeit mit Künstler:innen sowie die Begleitung von Umgestaltungen und Gedenkorten verdeutlichten, wie Kunst existenzielle Fragen aufgreift und neue Zugänge zu Transzendenz eröffnet.
Der zweite Tag begann mit einem Morgenlob in der Ursulinenkirche. Anschließend fand im Bischofshof der Diözese Linz ein Gespräch zu Kunst, Kirche und Gesellschaft statt. Unter der Moderation von Hubert Nitsch (Kunstpastoral der Diözese Linz) diskutierten Bischofsvikar Johann Hintermeier (Bildung, Kunst und Kultur) und Norbert Trawöger (Künstlerischer Leiter des Brucknerhauses Linz), über Kunst als verbindendes Element in einer pluralen Gesellschaft.
Im Gespräch wurde deutlich, dass Kunst und Kultur stets menschenbezogen sind und somit einen zentralen Anknüpfungspunkt für die Citypastoral darstellen.
Als wesentliche Haltungen wurden Offenheit, Dialog, ehrliches Interesse am anderen – selbst bei Ablehnung – sowie die Bereitschaft, kirchliche Komfortzonen zu verlassen, beschrieben. Dazu braucht es eine gefestigte eigene Identität. Bischofsvikar Hintermeier sagte: „Je stärker die eigene Identität, desto weiter kann ich mich hinauslehnen und offen sein, wie ein Stehaufmännchen. Ich muss mir meinen Glauben auch immer neu erschließen. Den anderen Hören- und Sehenhelfen.“ Hintermeier betonte außerdem den inkarnatorischen Aspekt: „Nicht nur Gesellschaft, sondern Leib Christi sein.“
Auch die Widerstände, die innerhalb des Systems oft am größten sind, wurden thematisiert. Trawöger sagte dazu: „Es gibt nichts Faderes, als wenn man immer Recht bekommt.“ Sich korrigieren zu lassen und in einer Du-Beziehung zu stehen, kann jedoch die Qualität erhöhen.
Den Abschluss des Netzwerktreffens bildete der Besuch des neuen Standorts URBI@ORBI in der Linzer Stadtpfarre, sowie der Besichtigung vom Mariendom samt architektonisch interessanten Domcenter mit Shop und einem einladenden Café.
Das Netzwerktreffen in Linz machte deutlich: Kunst eröffnet für Citypastoral Resonanzräume für Sinnfragen, Transzendenz und gesellschaftlichen Dialog – und stärkt Kirche in ihrer Präsenz mitten im urbanen Leben.