VULGATA. 77 Zugriffe auf die Bibel

 "VULGATA. 77 Zugriffe auf die Bibel" ist der Beitrag des KULTUMs Graz zum 500. Jahrestag der Reformation und befragt mit Werken von 33 Künstlerinnen und Künstler die Bibel in unterschiedlichsten Zugängen aus zeitgenössicher Kunst. Sie wird 2018 auch im neu erbauten "Museum of the Bible" in Washington gezeigt werden. Die Ausstellung wurde von  Johannes Rauchenberger kuratiert.

Mit Werken von: Eija-Liisa Ahtila (FI), François Burland (CH), Julia Bornefeld (DE/IT), Guillaume Bruére (FR/DE), Gor Chahal (RU), Marta Deskur (PL), Julius Deutschbauer (AT), Josef Fink (AT), Dorothee Golz (DE/AT), Franz Graf (AT), Julie Hayward (GB/AT), Judith Huemer (AT), Jochen Höller (AT), Lisa Huber (AT), Zenita Komad (AT), Zlatko Kopljar (HR), Nina Kovacheva (BG/FR), Julia Krahn (DE/IT), Shimon Lev (IS), Gerhard Lojen (AT), Alois Neuhold (AT), Adrian Paci (IT/AL), Hannes Priesch (AT), robotlab (DE), Bettina Rheims / Serge Bramly (FR), Keiko Sadakane (DE/JP), Luis Sammer (AT) Claudia Schink (DE), Valentin Stefanoff (FR/BG), Michael Triegel (DE), Lidwien van de Ven (NL), Mark Wallinger (GB), Daphna Weinstein (IS/AT), Maaria Wirkkala (FI), Johanes Zechner (AT)
 

 

Was von Martin Luther bleibt


Was von Martin Luther bis heute bleibt, ist die Übersetzung der Bibel. Seine uneingeholte Sprach- und Bildmacht, seine sprachliche Raffinesse, die vor allem eines wollte: verständlich zu sein, fasziniert bis heute. Seine Übersetzung der Heiligen Schrift – und die seiner Kollegen, er war ja nicht allein dabei – löste die alte „VULGATA“ ab. Schon dieses Wort erinnert an die Verständlichkeit der Volkssprache, nur war diese Übersetzung des Hl. Hieronymus ins Lateinische damals schon mehr als 1100 Jahre alt. Und man verstand sie nicht mehr, zumindest nicht die einfachen Leute.

 

Kulturell fremd?


500 Jahre nach Martin Luther ist die Bibel zwar in nahezu alle Sprachen übersetzt. Eine neue Ausgabe der „Luther-Bibel“ und eine neue „Einheitsübersetzung“ sind in deutscher Sprache zeitgerecht zum Jubiläum erschienen. Doch genauer betrachtet ist die Bibel im öffentlichen Diskurs längst wieder fremd geworden. Ihr öffentlicher Umgang erschöpft sich in Zitaten oder dient zum Widerspruch für die derzeit gültige Welterklärung. Ihre Mythen, ihre Geschichten und Texte decken sich zunehmend weniger mit dem heutigen Leben. Sie werden auch immer weniger erzählt. Das allgemeine Wissen um die Bibel ist in Wirklichkeit erschreckend niedrig. Es nähert sich dem verschwundenen Wissen um Mythen an, denen durch neue Medien längst größeres Interesse widerfährt. 
Und doch: Die biblische Poesie, ihre Matrix, ihr Text über Anfang und Ende, Leben und Liebe, Schuld, Schmerz und Gewalt, Schönheit und Lobpreis verblassen nicht vor der Verkürzung des Daseins auf Wachstum, Sicherheit, Sättigung und permanente Datenkontrolle. Was fremd ist an ihr, was neu glänzt, was neu zu entdecken ist und was sich dem gegenwärtigen Denken auch kreativ widersetzt: Das wird in dieser Ausstellung mit Werken der Gegenwartskunst beleuchtet.

 

Potential der Brüche


„VULGATA. 77 Zugriffe auf die Bibel“ befragt mit 33 versammelten Künstlerinnen und Künstlern ein Buch, das in der Menschheitskultur zu den wesentlichsten Inspirationsquellen der Kunst zählt. Und das Gläubige als Heilige Schrift betrachten, das heißt als einen Text, der heilig ist, bindend und inspirierend für das eigene Leben – trotz allen Wissens, dass er historisch entstand, vollkommen unterschiedliche Textgattungen enthält, höchst unterschiedlich in seiner literarischen Qualität und immer weniger kompatibel mit einem modernen, durch die Erkenntnisse der (Natur-)Wissenschaft determinierten Weltbild ist. Dort befinden sich die Brüche, die Abbrüche, die Ironien und zugleich die kreativen Energien ihrer mythischen und spirituellen Kraft. Dort ist der Ort einer Kunst, die daraus ihr kreatives Potential bezieht.

 

Ambivalente, aber zeitlose Themen

Biblische Themen sind einerseits historisch und immer auch aktuell zugleich. Dadurch haben sie gerade auch ihr
politisches Potential. Biblische Themen sind aber genauso ambivalent: Logos und Chaos, Schönheit und Scham,
Nächstenliebe und Gewalt, Wissen und Glauben, Weisheit und Fundamentalismus, Musealisierung und Ruf, Erzählung, Lobpreis und Klage – sie stehen dicht beieinander. In sieben Themenkreise wurden die insgesamt etwa 120 Einzelwerke von 33 KünstlerInnen sortiert:

Foyer. Wiederbelebt? "Herr Martin" als Museumswärter

Logos&Chaos. Über Schöpfung, über Schrift und Gottesnamen

Das Außer-Gebrauch-Gestellte und das Fremde als Potential

Essentials. Nachdenken über die zentrale Message

SchönerHeit. Das Hohelied der Liebe in Bildern

Fundamentalists&Politics: Über Religionsfrieden, Monotheismus und Gewalt

"Jetztrausch". Die Bibel als Bilderzählung, heute?

Neu belebt. Künstlerische Reflexionen über Museumsbilder aus der Zeit Martin Luthers

Ausstellungsmagazin und Ausstellungsplan (als pdf und als e-Paper)

Dank

Viele der Arbeiten in dieser Ausstellung werden das erste Mal gezeigt: den KünstlerInnen gilt deshalb der erste Dank. Einige stammen aus bekannten Sammlungen (Vehbi Koç Foundation Istanbul; Sammlung Essl, Klosterneuburg; Benediktinerstift Admont – Museum für Gegenwartskunst), andere aus Privatsammlungen: dankenswerter Weise wurden diese Werke als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Basis der Ausstellung bilden Werke der in den letzten Jahren aufgebauten eigenen Sammlung des KULTUMdepots, die sich einzig aus vergangenen Ausstellungen zusammensetzt.
Wir danken besonders den Förderern dieser Ausstellung, besonders dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst, München, und dem Innovationstopf der Diözese Graz-Seckau, die diese Ausstellung mit einer Sondersubvention ermöglicht haben.

 

Bibel und Kultur - Museum of the Bible
Die Ausstellung  „VULGATA. Künstlerische Zugriffe auf die Bibel“ hat weitere Partner: Sie wird im Jahr 2018/19 im neu erbauten "Museum of the Bible" in Washington (https://www.museumofthebible.org; Direktor: Dr. David Trobisch) übernommen und in der dortigen Schiene „Die Bibel und ihre Wirkungsgeschichte in Kunst und Kultur“ gezeigt. Die Ausstellung findet zudem zum 30. Geburtstag der deutschen „Stiftung Bibel und Kultur“ (www.bibel-und-kultur.de) statt, die „das alte Wissen der Bibel wachhalten und mit dem Heute konfrontieren will“. Die Stiftung vergibt biennal Stiftungspreise an herausragende Persönlichkeiten aus dem Bereich der Kultur.

Zum Ausstellungstext >>

Durch das Ausstellungsbegleitheft blättern >>

Ein Kurzeinblick über Ö1 - Erfüllte Zeit (12. 3. 2017)

 

 

 

 

 

 

 

 


ORF Orientierung, 16. April 2017

 




Termine

Do. 02.03.2017 -
Sa. 08.07.2017

VULGATA. 77 Kunst-Zugriffe auf die Bibel. Ausstellung



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